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Bewertungen = Vor-Urteil

Blöde Kuh

Gemeinsam mit Bernd fahre ich zum Biergarten, als uns eine gemeinsame Bekannte, Jule, entgegenkommt. Wir grüßen herzlich, sie scheint aber abgelenkt und grüßt nicht.

Bernd schimpft gleich mächtig los: „Blöde Kuh, die hält sich wohl für was Besseres!“ und vieles mehr darf ich mir bis zum Biergarten anhören. Beschwichtigungen bleiben ungehört.

Wie es der Zufall will, treffen wir Jule auf dem Rückweg wieder. Diesmal kommen wir ins Gespräch und Jule sagt, dass sie uns vorhin nur schemenhaft erkannt hat, weil sie seit neuestem an Grauem Start erkrankt ist. Mit dem Blick auf Bernd bemerke ich, dass er in Grund und Boden versinken möchte, weil er sich an die „Blöde Kuh“ von vorhin erinnert.

 

Schlampige Arbeit

In der Bürogemeinschaft arbeiten wir im 5er-Team sehr gut zusammen. Zum vereinbarten Nachmittagstermin treffen die Kollegen nach und nach ein, nur Paul fehlt noch. „Der kommt seit Wochen immer zu spät zu den Meetings und seine Arbeit lässt auch langsam zu wünschen übrig. Keine Ahnung was den Typ reitet, so schlampig zu arbeiten“ erbost sich Curt in die Runde. „Hast Du Paul mal darauf angesprochen?“ fragt Justus. „Ne, wieso sollte ich!“ entgegnet Curt rotzig.

„Weil Du dann wissen würdest, dass Pauls Mutter seit drei Wochen im Pflegeheim liegt, und Paul sich große Sorgen um die Gesundheit der Mutter macht“ antwortet Justus. Als Paul wenige Minuten später eintrifft findet er einen kleinlauten Curt vor, der im anschließenden Meeting den Mund nicht aufkriegt.

 

Wie soll es weitergehen

Die U-Bahn fährt ein, die Türen öffnen sich und viele Menschen steigen aus. Beim Einsteigen kämpft sich Frau B.(55), an jeder Seite mit zwei Taschen behangen, durch die Menschenmenge um einen der zwei letzten Sitzplätze zu bekommen. Einige Fahrgäste sind ärgerlich über das rüpelhafte und rücksichtslose Verhalten. Frau B. setzt sich schnaufend hin, lädt ihre vier Taschen auf dem noch freien Sitz neben sich ab und wirkt wie parallelisiert.

Monika S. sitzt Frau B. gegenüber und spricht Sie an. „Ich habe das Gefühl, dass es Ihnen nicht gut geht.“ Unter schluchzen stammelt sie: „Entschuldigen Sie, ich komme gerade von der Beerdigung meines Mannes, und ich weiß überhaupt nicht wie es jetzt mit mir weitergehen soll!“

Die Fahrgäste, die eben noch Frau B. zusammenstauchen wollten, bekommen mit was Frau B. gesagt hat und drehen sich schnell zur Seite und blicken auf den Boden.

 

Schnelle Vor-Urteile

Was haben alle drei real, stattgefundenen Situationen miteinander zu tun? In jeder Situation wurde vorschnell eine Bewertung vorgenommen, ein Vor-Urteil gefällt.

Leider hat sich unser Hirn seit 70.000 Jahren nicht wesentlich verändert. Klar, wer sich vor 70.000 Jahren in seinem Lederschurz und Keule vor die Höhle wagte, musste schnell entscheiden, ob die ihm entgegenkommende Person Freund oder Feind ist. Dann konnte entsprechend gehandelt werden.

Dieses Verhalten hat sich leider bis heute nicht verändert, obwohl wir nicht mehr in Freund-Feind-Bildern denken müssten. In keinem der oben genannten Situationen hing das Über-Leben von einer blitzschnellen Bewertung ab. Sinnvoll wäre gewesen, sich klar zu werden:

Ich bewerte nicht(s)!

Ich weiß nichts!

Ich frage!

 

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40 Tage Trauer

Beitrag vom 19.01.2015

Heute kondolieren viele politische Führer der saudischen Königsfamilie zum Tod von König Abdullah. Die Staatstrauer ist in Saudi-Arabien auf 40 Tage angesetzt. Einige andere Regierungen haben auch Trauerzeiten ausgerufen. In Bahrain und Jordanien sind es 40, in Ägypten sieben und in den Vereinigten Arabischen Emiraten drei Tage.

 

Zahlen im Kontext

  • Die Anzahl 40 taucht im moslemischen Trauerkontext öfters auf, da 40 Tagen nach dem Tod ein Totenmahl gehalten werden soll. Daran nehmen Angehörige, Nachbarn und manchmal das ganze Dorf teil.
  • Das Haus und/oder die Wohnung des Verstorbenen gelten für den engsten Familienkreis drei Tage als Trauerhaus.
  • Die Trauerzeit z.B. einer Witwe darf vier Monate und zehn Tage dauern.

 

Wechseln wir auf die Unternehmensseite

  • Wie agieren Sie als Unternehmensleitung, Personalleitung oder Führungskraft bei Trauer- und Todesfällen wenn muslemische Mitarbeiter oder muslemische Kunden betroffen sind?
  • Was unternehmen Sie wenn Sie vom Tod eines muslemischen Mitarbeiters hören?
  • Kondolieren Sie schriftlich oder mündlich?
  • Fahren Sie bei der Familie vorbei und bieten Unterstützung an?
  • Gehen Sie zur Beerdigung?
  • Wie gut kennen Sie sich in der religiösen Welt Ihrer muslemischen Mitarbeiter aus?

Schon lange arbeiten wir mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion eng zusammen. Kommt es zu Trauerfällen in den Familien der Mitarbeiter mit Migrationshintergrund erleben wir noch mehr Unsicherheit, als beim Todesfall in dem uns bekannten Kulturkreis. Um diesen Situationen sicherer zu begegnen hat DITIB-Zentrum für Soziale Unterstützung e.V einen lesenswerten Ratgeber „Sterbebegleitung und Tod im Islam“ veröffentlicht.