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Weihnachten – Das erste Mal ohne

„Ich weiß gar nicht wie wir dieses Jahr Weihnachten feiern sollen. Es ist das erste mal ohne unseren geliebten Hendrik(11)“, sagt die Susanne K., Mutter (39) des bei einem Unfall getöteten Hendrik.

„Seit meine Frau (52) im Januar an Krebs gestorben ist, habe ich schon so viele Male das „Erste Mal“ hinter mich gebracht. Den Hochzeitstag, den Geburtstag und jetzt kommt Weihnachten“. So klingt es aus dem Mund des Witwers Herbert L.(53).

„Weihnachten war immer das Herzstück des Jahres, wo die ganze Familie zusammen kam, und wir ausgelassen gefeiert haben. Jetzt wo mein Mann (76) verstorben ist, ist alles anders. Ich weiß gar nicht, wie das werden wird“. So schildert Hilde S. (74) ihr Innerstes, nach dem Tod des Mannes.

 

Drei Beispiele, die in aller Kürze aufzeigen, wie es in den Menschen aussieht, die in der Zeit zwischen Weinachten und Weihnachten einen geliebten Menschen verloren haben. Auch in diesem Jahr werden wieder unzählige Male das „Erste Mal“ erleben. In der Familie, mit Freunden oder allein zuhause.

Kaum erklingen die Weihnachtsliedern, kommen die Erinnerungen an die vielen gemeinsamen Weihnachtsfeste auf. Die Erinnerungen an die vielen Vorbereitungen, an das schmücken des Weihnachtsbaumes, an die ungeduldigen Kinder, die den Abend kaum erwarten können oder an die glanzvoll Bescherung nach dem Abendessen.

Alle Menschen feiern, nur in den Familien, die einen geliebten Menschen verloren haben, sieht es anders aus. Wer nicht betroffen ist, wird sich kaum in die Betroffenen und deren Familien reindenken können. Leere ist da. Ein leerer Platz am Esstisch. Ein leerer Platz im Ehebett. Ein leeres Kinderbett. Kein Leben mehr im Haus. Keiner der da ist, wenn ich nachhause komme. Kein Gespräch. Kein Lachen. Kein Streit.

Was bleibt sind viele Erinnerungen. Viele Tränen. Viel Sprachlosigkeit. Viel Zeit.

Was können Kollegen, Nachbarn und Freude tun, wenn Sie wissen, dass jemand allein zuhause sitzt und mit dem „Ersten Mal“ klarkommen muss?

Mögliche Lösungen könnten sein:

Persönliche Weihnachtskarte

Das Schreiben einer persönlichen Weihnachtskarte, handschriftlich und mit Füller hat einen hohen Stellenwert. Empfehlenswert für Unternehmen, wo der Mitarbeiter in diesem Jahr einen nahen Angehörigen verloren hat. Allgemeine Weihnachtskarten mit vorgedruckten, floskelhaften Sprüchen und besten Wünschen für eine fröhliche Weihnacht kommen bei den Betroffenen nicht gut an. Wenige handschriftlich verfasste Zeilen mit einfühlsamen Worten kommen dagegen bestens an.

Hilfe anbieten

Einfach mal fragen, wo ich helfen kann, bewirkt Wunder.

Gemeinsam in den Gottesdienst gehen

Wer eh zum Gottesdienst geht oder fährt, kann mit einem Anruf klären, ob die Trauernden mit in den Gotesdienst wollen.

Einladungen zum Essen

„Essen und Trinken hält die Seele zusammen“ gilt auch für Weihnachten. Wer noch einen Platz an seinem Tisch frei hat, lade sich einen Menschen ein, der allein zuhause sitzt.

Besuch am ersten Feiertag

Durch die Länge der Feiertage zieht sich das Dunkel lange hin. Da ist ein Besuch, gerne auch ein kurzer Besuch, eine willkommene Abwechslung.

Telefonieren

Das Telefon gehört zum alltäglichen Gegenstand. Warum nicht mal Weihnachten anrufen, und ein paar Minuten reden und zuhören. Zuhören verbindet.

E-Mail oder SMS schreiben

Ganz einfach ist die SMS oder E-Mail. Nur ein paar kurze Sätze, verbunden mit ein paar lieben Grüssen bewirken großes. In den nächsten Tagen kommt bestimmt eine Antwort.

Autor Ulrich Welzel

Dieser Beitrag erschien am 21.12.2016 in der http://lebenswege.faz.net/hilfe?page=weihnachten